AFRICACHILD-Mütterhaus Addis Abeba
im November 2010
Seit Dezember 2009 bewohnen nun die ehemaligen Strassenmütter mit ihren Kindern das AFRICACHILD-Mütterhaus in Addis Abeba. Sechs der Frauen konnten nicht lesen und schreiben, sie erhielten Unterricht und sind nun in der Lage einfache Texte zu verstehen und zu schreiben.
Um die Motivation an der Teilnahme einer Ausbildung zu stärken, wurden sie orientierend an ihren Fähigkeiten und Wünschen in die Entscheidung, welche Ausbildung für sie die passende sei, miteinbezogen.
Acht Frauen entschieden sich für eine Ausbildung zur Küchenhilfe (Global Food Preparation), zwei Frauen entschieden sich zu einer Ausbildung als Friseuse (Hairdresser).
Ca. sechs Stunden täglich besuchen die Frauen die jeweiligen Ausbildungsstätten, dabei teilen sie sich in eine Vormittags- und eine Nachmittagsgruppe auf. Die sich im Haus befindenden Mütter übernehmen die Betreuung der Kinder, deren Mütter in den Ausbildungsstätten sind. Die älteren Kinder besuchen Kindergarten und Schule. Zusätzlich erhielten die Frauen Unterstützung und Anleitung in der alltäglichen Haushaltsführung, Nahrungszubereitung und Kinderpflege.
Soziale Kompetenzen, wie z.B. der Umgang innerhalb der Gruppe und die Bewältigung von Konflikten wurden eingeübt.
Aufgrund des früheren Lebens auf der Strasse waren einige Kinder sehr geschwächt und kämpften mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Sie erhielten medizinische Behandlungen, so dass sich ihre körperliche Verfassung verbesserte. Auch in ihrem Sozialverhalten nahmen die dortigen Mitarbeiter positive Veränderungen wahr.
In ihrer Freizeit verlassen die Mütter nur selten das Haus, sie spinnen Baumwolle zu Fäden, flechten Körbe. Die gesponnen Fäden bringen sie in die Weberei. Dort lassen sie aus den Fäden Stoffe weben, die sie wiederum verkaufen.
Acht Frauen konnten ihre Ausbildungen erfolgreich abschließen, die Graduation soll am 14. Dezember stattfinden. Für zwei Frauen war es sehr schwierig sich an die veränderte Lebenssituation im Haus anzupassen und regelmäßig den Unterricht zu besuchen.
Gemeinsam mit den Müttern besprachen wir den weiteren Ablauf des Projekts und ihre individuellen Vorstellungen bezüglich der Zukunft. Nach der Graduation werden die Frauen das Haus verlassen und eigene Unterkünfte beziehen. Ähnlich wie in den vorhergehenden Gruppen, möchten auch diese Frauen alleine mit ihren Kindern wohnen und sich nicht in Wohngemeinschaften zusammentun. Allerdings suchen sie Unterkünfte, die sich in der Nähe des Mütterhauses befinden. Dadurch soll der weitere Kontakt und Unterstützung zu den Frauen gewährleistet und vereinfacht werden, außerdem können ihre Kinder in ihrem vertrauten sozialen Umfeld, wie Schule und Kindergarten bleiben.
Viele der Frauen träumen von einem eigenen kleinen Lokal, einem Kaffeeshop, einem Restaurant oder einem eigenen Friseurgeschäft. Allerdings konnten sie gut nachvollziehen, dass sie für die eventuelle Realisierung dieser Ideen mehr praktische Kenntnisse und Erfahrungen benötigen.
Zunächst werden die Frauen versuchen als Angestellte in einem Restaurant, Hotel, Friseurladen usw. tätig zu werden, dabei werden sie von den äthiopischen Mitarbeitern unterstützt werden. Da es in Addis Abeba sehr schwierig ist eine Arbeitsstelle zu bekommen, entschied AFRICACHILD die Gehälter der Frauen in den ersten sechs Monaten nach Arbeitsaufnahme zu übernehmen. Dadurch sollen private Geschäftsleute motiviert werden die beruflichen Fähigkeiten der Frauen kennenzulernen und sie auch weiterhin zu beschäftigen. Die Frauen wiederum erhalten die Möglichkeit in einem Betrieb Erfahrungen zu sammeln und sich zu qualifizieren. Im besten Fall mündet diese Tätigkeit in ein festes Arbeitsverhältnis.
Die Mütter werden ein eigenes Bankkonto erhalten, dort werden die Gehälter einbezahlt werden, im Ungang mit dem Konto werden sie angeleitet und betreut werden.
Voraussichtlich wird das AFRICACHILD – Mütterhaus bis Ende dieses Jahres leer sein und somit für eine weitere Gruppe von 10 Müttern und ihren Kindern wieder zur Verfügung stehen.
- Judith Marz







