Die Beschneidung in Mali

Mali gehört zu den Ländern Afrikas mit einer der höchsten Raten von Genitalverstümmelungen bei Frauen. Laut den Behörden sind fast 92 % der malischen Frauen beschnitten. Die Verstümmelung der weiblichen Genitalien, oft auch „Frauenbeschneidung“ genannt, reicht von der Verletzung der weiblichen Genitalorgane über die teilweise Entfernung der externen Geschlechtsorgane der Frau bis zu ihrer vollständigen Entfernung.

Sie werden unter armseligen sanitären Bedingungen durchgeführt. Man schätzt, dass 130 000 Millionen kleine Mädchen und Frauen eine Genitalverstümmelung erlitten. Jedes Jahr werden zwei bis drei Millionen kleine Mädchen diesen Praktiken ausgesetzt. Die Konsequenzen für die Gesundheit sind dramatisch. Sofortige Komplikationen sind Schmerzen, Schock, Blutungen, Harnstauung, Geschwüre im Genitalbereich und Verletzung der angrenzenden Gewebe. Blutungen und Infektionen können zum Tod führen. In letzter Zeit macht man sich aufgrund der Gefahr einer HIV-Virus-Übertragung (Aids) sorgen, weil für zahlreiche Operationen ein einziges Instrument verwendet wird. Zu den langfristigen Konsequenzen zählen Verletzungen der Harnröhre, die zur Harninkontinenz führen, ein schmerzhaftes Sexualleben, sexuelle Dysfunktion und Probleme bei der Entbindung. Mehrere afrikanische Studien berichten von häufigeren Fötusschäden während der Schwangerschaft und bei der Geburt bei Kindern von verstümmelten Frauen.

Der eigentliche Eingriff wird meistens von älteren Frauen durchgeführt, die nur das von ihren Müttern überlieferte Wissen besitzen und für die Operation verschiedenartige Instrumente wie Messer, Klingen, Rasierklingen, Glasstücke etc. verwenden. Um die Vernarbung zu begünstigen, geben sie auf die Wunde Mischungen aus Kräutern, Erde und Kuhfladen.

Das Alter, in dem die Genitalverstümmelungen bei Frauen stattfinden, variiert je nach Region. Sie betrifft Neugeborene, junge Mädchen, Jugendliche und manchmal auch bei erwachsene Frauen.

Zur Rechtfertigung des Eingriffs werden mehrere Gründe aufgeführt:

  • Psychosexuelle Gründe: Verringerung oder Ausschaltung des sensiblen Gewebes der externen Genitalorgane, vor allem der Klitoris, um das sexuelle Verlangen der Frau zu verringern, die Keuschheit und Jungfräulichkeit vor der Heirat und die Treue während der Ehe zu bewahren und letztendlich die sexuelle Lust des Mannes zu erhöhen.
  • Soziologische Grunde: Identifizierung mit dem kulturellen Erbe, Übergang vom jungen Mädchen zur Frau, soziale Integration und Aufrechterhaltung des sozialen Zusammenhalts.
  • Religiöse Gründe: Einige islamische Gemeinden praktizieren jedoch Genitalverstümmelungen bei Frauen, weil sie des guten Glaubens sind, dass diese Praktik zum Islam gehört. Sie bestand jedoch schon vor der Geburt der islamischen Religion.

Mali hat diese Praktik nicht offiziell verboten, hat ihre Ausrottung aber zu einer seiner Prioritäten gemacht. Seit 1999 verbietet die Regierung praktizierenden Ärzten und Gesundheitszentren die Durchführung der Beschneidung. Sie wird jedoch weiterhin von den traditionellen Beschneiderinnen durchgeführt. 2002 rief Mali unter der Schirmherrschaft des Ministeriums für die Förderung der Frau, des Kindes und der Familie sein nationales Programm zum Kampf gegen Beschneidung ins Leben. Dieses Programm hält die Personen aus dem Bereich Soziales und Gesundheit dazu an, sich für die Aufgabe der Beschneidungspraktik einzusetzen. Seine Aufgabe ist es ebenfalls, die Bevölkerungen und vor allem die Frauen über die verheerenden Folgen dieser Praktik zu informieren, um in der Zukunft die Zahl der verstümmelten jungen Mädchen zu verringern. In den Medien werden regelmäßig Sensibilisierungs- kampagnen durchgeführt.

Die Bildung ist zweifellos das effizienteste Mittel, um diese Praktik auszurotten. Die Statistiken zeigen, dass der Anteil an verstümmelten jungen Mädchen viel geringer ist, wenn die Mütter ein gutes Bildungsniveau besitzen. Die geographischen Zonen, die Religion oder die ethnische Zugehörigkeit beeinflussen ebenfalls die Zahl der Genitalverstümmelungen bei Frauen.

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