Eroffnung Africachild Village:
Ein Bericht von Michael Kurz
Als Hauptförderer des Projektes Africachild Village in Kenia waren wir zur offiziellen Eröffnung eingeladen. Die Einladung wurde von uns natürlich gerne angenommen umso mehr, da dies somit auch der erste Besuch des Projektes Vor – Ort war.
Um sich das Village in Ruhe anzuschauen vereinbarten wir mit Herrn Marz, Vorsitzender von Africachild e. V., einen Termin zwei Tage vor der Eröffnungsveranstaltung. Kaum hatten wir mit dem Taxi unsere komfortable Hotelanlage in Richtung Africachild Village verlassen, wurden die Straßen schlechter und die Behausungen (Häuser will ich gar nicht mehr sagen) ärmlicher. Ich denke jeder, der schon mal in einem solchen ähnlichen Land Urlaub gemacht hat, weiß was ich meine. Schockierend der Unterschied zwischen Luxus Hotelanlage und den Behausungen der Buschbewohner. Strom, WC, fließendes Wasser, Betten oder Möbel, alles Fehlanzeige. Die Gesichter meiner Kinder sprachen Bände.
Zurück zum Africachild Village. Das erste was wir sahen war ein eingezäunter Bereich mit Wachturm und Wachmann. Später wurde mir gesagt, dass aufgrund der Vorgeschichte der jungen Frauen diese Einrichtung auch notwendig ist. Immer wieder würden aufgebrachte Familienmitglieder oder im Stolz verletzte Männer versuchen, die Mädchen anzugreifen. Herr Marz empfang uns mehr als herzlich und zeigte uns gerne das Village, stellte die Angestellten und natürlich auch die jungen Frauen mit Ihren Kindern vor.
Die Grundausstattung des Dorfes war schon fast fertig gestellt. Das Office, die große Versammlungshütte (Kibanda) sowie zehn Hütten waren fertig gestellt. Am Küche / Bad Haus arbeiteten fleißige Handwerker. Zur Eröffnung zwei Tag später sollte so viel wie möglich fertig sein. Die Anlage macht einen sehr ordentlichen Eindruck, auch das Personal wie der Leiter des Projektes, die Pädagoginnen, die Näherin, die Köchin und der Gärtner waren äußerst freundlich und alle Kenianer. Herr Marz betonte, dass bewusst Einheimische das Projekt Vor – Ort führen und leiten sollen. Nur so schafft man die Akzeptanz in der Bevölkerung und bei der Regierung. Bringt Sinn.
Der eigene Brunnen versorgt nicht nur die Africachild Village, sondern auch die Buschbevölkerung. Diese kann an einer Wasserstelle das rare saubere Wasser holen. Von dieser Möglichkeit wurde auch rege Gebrauch gemacht.
Derzeit sind sechs junge Mädchen im Village. Die jüngste mit 14 Jahren hat gerade vor zwei Wochen ihr Kind zur Welt gebracht. Sie wurde vergewaltigt. Als Vater einer Zwölfjährigen stehe ich dieser Tatsache immer noch fassungslos gegenüber.
Als wir die Mädchen trafen wurden diese gerade im Benehmen geschult. Des Weiteren werden die Mädchen während des Aufenthaltes im Africachild Village in der Kinderpflege, im Umgang mit Lebensmittel, im Nähen, im Feldbau, im Umgang mit Putzmittel, sowie im sozialen Umgang miteinander geschult.
Zwei Tage später waren wir wieder im Africachild Village, welches in Kenia „Young Mothers Kenia“ genannt wird. Offizielle Eröffnung war angesagt, von 10:00 - 12:00 Uhr Eröffnung anschließend Barbecue. Nachts davor hatte es in Strömen geregnet, nun Sonne satt, >30 Grad und gefühlte 150% Luftfeuchtigkeit. Dass, die Eröffnungsfeiern in Kenia komplett anders ablaufen werden, als in Deutschland war mir klar, als wir aus dem Taxi stiegen. Kenianische Schlagermusik hämmerte uns aus total übersteuerten Lautsprechern entgegen. Wie in der IT Welt gibt es hier anscheinend nur „1“ volle Pulle und „0“ aus. Herr Marz meinte, solch eine „Berieselung“ wäre in Kenia bei solchen Veranstaltungen üblich. Die Verantwortlichen der kenianischen Behörden und Regierung waren noch nicht da. Das würde noch dauern, doch das wusste ich zum Glück damals noch nicht.
Es gab zwei große gegenüber angeordnete offene Zelt mit Stühlen darunter. Das kleinere war für die Offiziellen und das größere für die Gäste. Als Sponsor man bat man mich unter das kleinere „VIP“ Zelt.
Da auch 30 Minuten nach 10:00 Uhr die Offiziellen immer noch fehlten fing man schon einmal mit dem Programm an. Nachdem der Gärtner einen Rap über „Young Mothers Kenia“ gesungen hatte, trugen die sechs Mädchen, die das Village bewohnten, Volkslieder und ein kleines Theaterstück über die Geschichte, wie sie nach Africachild - Village gekommen sind, vor.
Nach und nach trafen die Offiziellen ein und es konnte schon knapp zwei Stunden nach dem eigentlichen Start die Eröffnung beginnen. Die Uhren in Kenia laufen eben anders.
Es ist wohl so, dass bei einer Eröffnung in Kenia jeder Offizielle eine Rede hält. Da nächstes Jahr in Kenia Wahlen anstehen, nützt auch jeder seine Rede gleichzeitig als Wahlrede. So hörten wir etwas von besserer Bildung, vom Umgang zwischen Christen und Muslimen und auch von Sextouristen. Das mag zwar alles stimmen, doch es hat zumindest meiner Meinung nach nicht mit der Eröffnung des Africachild Villages zu tun. Durch diese Abschweifungen wurden die Reden entsprechend lang. Jedoch hatte alles ein Ende und um ca. 14:00 Uhr konnte zum gemütlichen Teil nämlich dem Barbecue übergangen werden, worüber sich nicht nur die Europäer gefreut haben. Aufgrund der Länge und der doch sehr anstrengenden Temperaturen muss ich sagen, schön, dass ich so eine Eröffnung mal gesehen habe, aber muss dieses Jahr nicht noch einmal sein.
Zusammenfassend ist zu sagen, es ist beeindruckend was Africachild e.V. hier aus dem Boden gestampft hat. Nicht nur die Gebäude und der Aufbau der Organisation, auch die zahllosen Behördengänge und Behördengespräche kosten Kraft und Ausdauer, wie ich sie nicht hätte haben können. Unsere Spenden kommen da an, wo sie ankommen sollen. Nämlich in Africachild Village. Bei den Mädchen und jungen Müttern, bei dem Personal, das sie betreut und unterrichtet und im Village selber, also den Gebäuden und dem Aufbau des Projektes.
Aber so weit auch der Aufbau des Dorfes nun schon ist, ist mir durch den Besuch klar geworden, dass das Africachild für den Betrieb weitere Hilfe aus Deutschland angewiesen ist. Ich werde Africachild weiter unterstützen!

