Kenia

Das Land Kenia

Größe und Lage

Kenia ist mit einer Größe von 582 646 qkm fast doppelt so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt ist Nairobi mit ca. 2,5 – 3 Mio. Einwohner.

Kenia wird vom Äquator in fast zwei gleich große Hälften geteilt. Im Osten hat Kenia mit einer Küstenlänge von ca. 400 km Zugang zum Indischen Ozean, im Westen stößt es an den Viktoriasee, den größten afrikanischen Binnensee. Somalia im Nordosten, Äthiopien und Sudan im Norden, Uganda im Westen sowie Tansania im Süden sind Kenias unmittelbare Nachbarn.

Zentral-Mittel-Kenia wird vom Riff Valley durchzogen, einem Teil des Ostafrikanischen Grabenbruchs. Die höchste Erhebung befindet sich im Mount-Kenya-Massiv (5200 m), der niedrigste Punkt liegt bei 0 m an der 480 km langen Küste des indischen Ozeans. Kenia kann in zwei Klimazonen unterteilt werden.

Das Hochland liegt über 1.800 m hoch, hier können die Nächte relativ kühl werden. Es gibt zwei Regenzeiten, die 1. ist von April bis Juni und die 2. ist von Oktober bis November. An der Küste liegen die Temperaturen zwischen 22 und 32 Grad, hier herrscht eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit mit 75%.

Bevölkerung und Religion

Kenias Bevölkerung (ca. 38 Mio.) ist mit einer jährlichen Zuwachsrate von 3,5% eine der weltweit am schnellsten wachsenden. In Kenia leben 40 unterschiedliche Ethnien. Die wichtigsten Ethnien sind die Kikuyu, die Luo, die Maasai, die Kamba, die Luhya und die Turkana. Etwa drei viertel der Bevölkerung leben auf dem Land, etwa die Hälfte ist jünger als 15 Jahre. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei etwa 57 Jahren. Englisch ist eine der beiden offiziellen Amtssprachen, Swahili ist die zweite Amtssprache.

Die Küstenregion ist muslimisch geprägt, das Hochland eher christlich. Ca. 70% der Bevölkerung sind Christen, ca. 20% der Bevölkerung sind Muslime, ca. 10% der Bevölkerung werden den traditionellen afrikanischen Naturreligionen zugerechnet.
Daneben existiert eine hinduistische Minderheit. (Vgl.: Auswärtiges Amt, Kenia)

Geschichte und Politik

Das Riff Valley im Westen Kenias wird heute für die Wiege der Menschheit gehalten, nachdem dort Funde prähistorischer Vormenschen gemacht wurden. In klassischen Zeiten erforschten Araber und Perser Kenias Küste am Indischen Ozean. Im 10. - 15. Jh. n. Chr. entstanden florierende Stadtstaaten, die sich von Somalia im Norden bis Mozambique im Süden erstreckten.

Kenia durchlebte Kolonialgeschichte und war lange Zeit in der Hand der Briten. 1957 fanden die ersten Wahlen statt. Am 12. Dezember 1963 wurde Kenia unabhängig.

Heute hat Kenia eine Präsidialdemokratie, mit auf den Präsidenten vereidigten Abgeordneten. Der momentane Staatspräsident ist Mwai Kibaki vom Stamm der Kikuyu. Raila Odinga, vom Stamm der Luo trat im Dez. 07 als Gegenkandidat an. Kibaki wurde mit einer geringen Mehrheit von 300 000 Stimmen im Amt bestätigt. Die Opposition und internationale Wahlbeobachter sprachen von massiven Wahlfälschungen und es kam zu heftigen und blutigen Auseinadersetzungen. Verschärft wurde die Situation durch ethnisch motivierte Gewaltakte. Sie richteten sich vor allem gegen Kikuyus, Angehörige der Ethnie von Präsiden Kibaki.

Im Frühjahr 2008 wurden minimale Veränderungen an der Verfassung vorgenommen. Dabei wurde das Amt eines Premierministers geschaffen, der aber eher koordinierende Funktionen hat. Regierungschef bleibt der Präsident. (Vgl. Auswärtiges Amt, Kenia)

Wirtschaft

Die Volkswirtschaft basiert hauptsächlich auf dem informellen Sektor und der Landwirtschaft. Bedeutsam sind vor allem der Tee- und Kaffee-Export, der Anbau von Schnittblumen, Gemüse, Obst Baumwolle Sisal und Zuckerrohr. Daneben erzeugen die Menschen hauptsächlich für den Eigenbedarf Mais, Weizen, Gerste, Zuckerrohr, Bohnen, Bananen, Reis, Ananas und Baumwolle. Die Probleme der Wirtschaft sind neben einer wuchernden Korruption, die geringe Industrialisierung, hohe Arbeitslosigkeit, defizitäre Handelsbilanzen, außerdem die Folgen von Dürre und Überflutungen.

Tourismus

In Kenia befindet sich eine Vielzahl unterschiedlicher Landschaften. Es gibt Savanne, Regenwald, schneebedeckte Gipfel, Wüste und kilometerlange weiße Sandstrände an der Küste. Exotische Tiere durchstreifen die Nationalparks und eine ausgeprägte touristische Infrastruktur ermöglicht relativ sicheres Reisen. Dies gilt sowohl für Massentourismus als auch für den Individualtourismus, der sich eher auf die zentralen Gebiete bezieht.

Jedoch erwies sich der Tourismus als extrem krisenanfällig. Das auswärtige Amt gab nach den Unruhen im Januar 2008 Reisewarnungen aus, Urlauber stornierten ihre Ferien, Airlines stellten Flüge ein. Der Tourismus brach in den folgenden 6 Monaten um mehr als 60% ein. (Vgl.: Buchholz, Kenia, Reisetaschenbuch, Dumont)

Medizinische Versorgung

In Kenia ist die medizinische Versorgung besser als in den meisten Staaten Afrikas, sie ist jedoch nicht mit den technischen, apparativen und hygienischen Standards Europas vergleichbar.

Auf dem Land sind die Wege zur nächsten Gesundheitsstation weit, es fehlt an Medikamenten und ausgebildeten Helfern. Viele Familien können sich zudem den Arztbesuch nicht leisten - jeder zweite Kenianer lebt unterhalb der Armutsgrenze. In Kenia stirbt bis heute jedes achte Kind vor seinem fünften Geburtstag. Jeder dritte Säugling in Kenia wird nicht ausreichend geimpft. Infektionskrankheiten wie Masern, Tetanus und Polio bedrohen ihr Leben. Masern sind hoch ansteckend und verlaufen bei geschwächten Kindern in Entwicklungsländern oft lebensbedrohlich. Der Tetanus-Erreger ist in Kenia weit verbreitet. Und auch Impfschutz vor Kinderlähmung bleibt wichtig. Denn in vielen Nachbarländern Kenias ist der Polioerreger noch immer nicht ausgerottet, ohne regelmäßiges Impfen droht er auch in Kenia wieder eingeschleppt zu werden.

Chronische Mangelernährung macht viele Kinder besonders anfällig für Infektionskrankheiten - in Kenia ist jedes fünfte Kind untergewichtig. Auch Wurm- und Durchfallerkrankungen schwächen die Abwehrkräfte. Meist ist verschmutztes Trinkwasser dafür verantwortlich.

Im Jahr 2008 lag die Säuglingssterblichkeit bei 77 je 1000 Geburten, die Müttersterblichkeit bei 560 Frauen je 100.000 Geburten. (Vgl.: www. UNICEF, Kenia)

Malaria

Allein an Malaria sterben jedes Jahr 34.000 Mädchen und Jungen unter fünf Jahren - das sind fast 100 Kinder pro Tag. Übertragen wird der Erreger durch die Anopheles-Mücke, die in Kenia vor allem an der Küste und in der Nähe der Seen heimisch ist. Arme Familien sind der Malaria oft schutzlos ausgeliefert. Sie haben kein Geld für ein schützendes Moskitonetz oder wirksame Medikamente. Oft wissen sie auch einfach nicht, wie sich die Krankheit erkennen und behandeln lässt. (Vgl.: www.UNICEF, Kenia)

AIDS

Nach Angaben der Deutsche Stiftung für Weltbevölkerung waren 7,8% der erwachsenen Bevölkerung HIV-positiv. AIDS hat in Kenia zu einem Absinken der Lebenserwartung geführt und hat das soziale Netz der traditionellen Großfamilien auseinander fallen lassen. (Vgl. UNICEF)

Dürre und Hunger

Im Jahr 2006 litt der Norden Kenias unter den Folgen einer Dürre und den damit verbundenen Nahrungsmittelmangel. Von dieser Hungerkrise am Horn von Afrika waren auch Millionen Menschen in den benachbarten Ländern bedroht. Die Vereinten Nationen gehen davon aus, dass rund 2,5 Millionen Menschen im Norden und Nordosten von Kenia auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen sind. Rund 560.000 Menschen in 7 Distrikten müssen mit Trinkwasser versorgt werden. (Vgl. www. Auswärtiges Amt, Kenia)

Soziale Probleme

Hauptproblem neben der Inflation stellt die hohe Geburtenrate, eine der höchsten der Welt, dar. Die Landflucht hält an und hat eine wachsende Arbeitslosenquote in den Städten zur Folge. Überbevölkerung und Wohnungsnot stellen ein akutes Problem in den städtischen Gebieten dar, wo die Mieten sehr hoch sind. Die Folge ist Slumbildung mit allen sozialen, hygienischen und infrastrukturellen Problemen. Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen und sozialen Situation ist in den letzten Jahren die Zahl der Straßenkinder angestiegen. In Kenia gibt es kein funktionierendes Sozial- oder Krankensystem.

Schule und Bildung

Der Lehrplan orientiert sich am 8-4-4 System, d.h. acht Jahre Grundschulzeit, vier Jahre Gymnasium und vier Jahre Hochschule. Im Jahr 2003 löste die Regierung ihr Wahlversprechen ein und das Schulgeld für die „Primary School“ wurde abgeschafft. Dies ermöglichte zum ersten Mal auch Kindern aus ärmeren Familien Zugang zu Bildung. Jedoch blieben Investitionen im Bildungssektor aus und das Schulsystem ist kaum in der Lage, der steigenden Anzahl von Schülern gerecht zu werden. Das Lehrer-Schüler Verhältnis ist auf 1:100 gefallen und ein qualitativ guter Unterricht ist daher kaum möglich.

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