Beispiel: "Bridge for Children"

In Zusammenarbeit mit der äthiopischen Hilfsorganisation "Support for Streetmothers and Children" betreibt Africachild e.V. das Projekt "Bridge for Children", welches von unserem Mitglied Wolfgang Strohal gegründet wurde und betreut wird. Dieses Projekt ist Beispiel für menschliche Anteilnahme verbunden mit sozialem handeln. Hier seine Situationsbeschreibung:

"Save Children's Future" leuchtete es mir regelmäßig von einer Riesen-Plakatwand entgegen, und das Bild eines Kindes von zwei überdimensionalen Händen umgeben, wenn ich früh morgens in einem der blauen Minibusse in Addis Abeba zum Dienst in der Klinik fuhr. Eine der Facetten aus der Kluft, die sich auftut zwischen Wunsch und Realität: Diese Gegend - die Churchill-Road hinauf - ist in den Abendstunden und über die Nacht ein Sammelpunkt der Straßenkinder. Jungs im Alter von 6 - 14 Jahren. Mehr und mehr auch Mädchen. Allein gelassen nach frühzeitigem Tod der Eltern. Oder weil die einfach nicht mehr konnten, aus der Armut heraus. Praktisch rausgeworfen. Kinder aus Addis Abeba. Aber auch viele weit her zugewandert.

Die medizinische Arbeit gab mir verschiedentlich Anlass, mit diesen Kindern Fühlung aufzu-nehmen. Denn vor allem in den Abendstunden trauten sie sich dann schon, auch mal zu kommen. Bei Krankheit, oder um nach ihren Wunden schauen zu lassen, die meistens von Schlägen herrührten. Denn unbarmherzig ist die "Straße". Kinder, die auf der Straße leben, werden gehasst und gejagt. Sie betteln, rauben sich Nahrungsmittel von den Wagen der Händler, bekommen dafür Prügel. Und manchmal ist der Hunger übergroß und sie essen den Unrat aus den Abfallbergen. Mädchen werden gequält und missbraucht.

Wenn es kalt wird in Addis, abends und in der Nacht, dann suchen sich die Kinder einen Schlafplatz. Hinter Büschen oder am Rand des Gehweges, wo sie sich etweder ein kleines Zelt aus Plastikplanen ausbreiten, oder sich ganz einfach nur mit einem Sack einhüllen.

Ich fühlte oft, dass die Kinder nicht nur darunter leiden, dass sie der Hunger umtreibt. Ebenso stark - wenn nicht stärker aber unter einer inneren Leere: die fehlende Geborgenheit und Liebe, Hoffnungslosigkeit. Als ich dann den Start gab für ein Projekt für Jungs von der Straße, merkte ich, dass ein Stück Riesenarbeit vor mir lag. Denn diese Kinder müssen auch wieder Eingliederung erfahren. Wenn auch viel Freude für ein "neues" Leben da ist, so beginnen sie doch aus dem "Nichts" heraus. Und deswegen brauchen sie unsere besondere Hilfe und Wegweisung.

Begonnen hat das im Jahr 2005. Ein Zuhause musste gefunden werden. Wir begannen die Vorbereitung für die Aufnahme in die Schule, der Antrag bei den Behörden - nicht ohne Schwierigkeiten, denn die Jungs waren schon 12 - 13 Jahre und nicht 6 oder 7, wie "normale" Schulstarter. Die Jungs sollten regelmäßig Essen bekommen. Kleidung und Sachen für die Schule mussten beschafft werden. Wenn ich heute mit den Lehrern der Jungs spreche, und höre, dass sie Fortschritte machen und guten "outlook" vorweisen, so freue ich mich riesig über diesen Beweis. Gleichzeitig verleiht es Aufschwung für all das, was wir noch zu tun haben. Denn wenn es so sein soll, dass die Kinder später eine Anstellung bekommen und ihr Leben selbst ohne Not führen, dann gilt es, den Abschluß einer Ausbildung zu erreichen.

Ermöglicht hat das die Mithilfe treuer Freunde in Deutschland, denen ich von Herzen dafür danke. Um weit zu kommen muss man eben gemeinsam gehen. Wie gerne würde ich noch mehr Kindern helfen, und es kommt mir vor, als wären es die berühmten "Tropfen auf den heißen Stein"! Da trösten mich dann die Worte von Mutter Theresa, die einmal sagte: " Mit diesen Tropfen aber wäre das Meer der Not noch um einiges größer."

Wolfgang Strohal, Mühldorf a. Inn

zurück

© Africachild e.V.
Frölichstr. 10 1/2 | 86150 Augsburg | Tel.: 0821 / 51 99 66 | Fax: 0821 / 15 74 94