Bericht: Hilfsaktion Dadaab

Unser Aufruf zur Spende für die somalischen Flüchtlinge in Dadaab hatte eine überwältigend hohe Resonanz – zwischen Mitte Juli und Mitte August sind über 30.000 EUR zusammen gekommen und es treffen weiterhin Spenden bei uns ein. An dieser Stelle möchten wir Ihnen ganz herzlich für Ihre große Bereitschaft danken, die besonders bedürftigen Flüchtlinge zu unterstützen!

In einem kurzen Zwischenbericht möchten wir Sie gerne über die bisherige Verwendung dieser Gelder informieren. Wie im Spendenaufruf berichtet, arbeiten wir in Dadaab direkt mit einer großen Gruppe professioneller Helfer zusammen, die sich außerhalb ihrer Arbeitszeit auf freiwilliger Basis dafür einsetzen, die zusätzlichen Gelder da einzusetzen, wo sie für Mütter und ihre Kleinkinder am dringendsten benötigt werden. Als sich Anfang August abzeichnete, dass eine erhebliche Summe von Africa Child e.V. zusammenkam, wurde eine aktuelle Bedarfsabfrage beim nationalen Hilfspersonal in Dadaab gemacht. Es kristallisierte sich schnell heraus, dass die Gesundheitsstation "IFO" dringend Unterstützung benötigte, weil die Zahl der dort untergebrachten, schwerst unterernährten und stationär zu versorgenden Kinder sich in den Wochen zuvor von 20 auf über 90 erhöht hatte. Die Tendenz ist weiter steigend. Da die Kinder in der Regel zusammen mit ihren Müttern im Krankenhaus untergebracht sind, war die eigentliche Krankenstation schnell überfüllt und es wurden 2 weitere Stationen für die Kinder eingerichtet und Zelte aufgestellt, damit genügend Platz auch für die Mütter geschaffen werden konnte – denn die Kinder brauchen außer medizinscher Versorgung vor allem die Liebe ihrer Eltern!

Mit der Erweiterung der Säuglingsstation wurden auch zusätzliche Betten benötigt, die teilweise über die Spenden mitfinanziert wurden. Die Gesamtsituation auf den Stationen für Kleinkinder ist davon geprägt, dass durch die notwendige und gewünschte enge familiäre Betreuung der Kinder sehr viele Personen gleichzeitig anwesend sind und es teilweise sogar für das Personal schwierig ist zu arbeiten. Die Mütter der Säuglinge sind teilweise skeptisch bzgl. der ‚modernen Medizin' und benötigen Betreuung und klare Einweisung, damit sie sich in der Begleitung ihrer Kinder richtig verhalten können, z.B. wenn diese über einen Nasenschlauch künstlich ernährt werden. Damit das medizinische Personal und die vielen Helfer sich farblich von den Flüchtlingen abheben können und auch einen gewissen optischen Status bekommen, der Ihnen bei der Anerkennung ihrer Arbeit hilft, werden immer wieder "weiße Kittel" benötigt. Mit den Spendengeldern wurden insgesamt zusätzliche 100 solcher Kittel angeschafft.

Die enge Betreuung der Babies und Säuglinge durch die Mütter ist für die Gesundung und Stabilisierung der Kinder in kritischen Ernährungszuständen absolut entscheidend. Damit die Mütter ihre Säuglinge möglichst ausreichend lang (1-3 Wochen sind oft notwendig zur Erholung aus besonders kritischen Zuständen) in dem Gesundheitszentrum lassen und nicht frühzeitig aus der medizinischen Versorgung wieder herausnehmen, muss dafür gesorgt werden, dass die Mütter selbst und auch ihre anderen Kinder im unmittelbaren Umfeld der Krankenstation mit ausreichend Nahrung versorgt werden. In der Regel "campieren" die restlichen Teile der Familien der klinisch versorgten Kinder um die Krankenstation/ Anbauzelte rund herum. Mit insgesamt 12.000 EUR werden die Mütter und Geschwisterkinder der medizinisch versorgten Kinder qualitativ hochwertig versorgt, so dass hier auch einer weiteren drohenden Unterernährung vorgebeugt werden kann.

Damit auf der Krankenstation und in den Betten ausreichend Sauberkeit und Hygiene gewährleistet wird, werden die Bettlaken bedarfsweise mehrmals täglich gewechselt (z.B. wenn ein Kind erbrochen hat). Da es nicht genügend ausgekochte und sterile Bettlaken für die angestiegene Zahl von Betten gab, wurden mit den Spenden 500 zusätzliche Bettlaken sowie 2 Waschmaschinen gekauft. Auf der Station für neugeborene und stark untergewichtige Kinder wurden zudem eine Reihe von Spezial-Gerätschaften benötigt: Da stark unterernährte Kinder auch bei 40 Grad Umgebungstemperatur frieren und zusätzliche Wärme zur Stabilisierung der Körperfunktionen benötigen, wurden 8 Standheizlüfter für die Kleinkinderstation gekauft. Für untergewichtige neugeborene Kinder konnten 4 Spezialwärmebetten besorgt werden und für Asthmakinder 2 zusätzliche Inhaliergeräte. Durch Unterernährung und physische Überanstrengung auf der Flucht wird bei Schwangeren überdurchschnittlich oft eine Frühgeburt ausgelöst, so dass auch 2 zusätzliche Brutkästen benötigt wurden und angeschafft werden konnten. Im Operations- bzw. Kreissaal gab es Engpässe bei den Absauggeräten für Blut und Sekret, hier konnten 2 neue Geräte gekauft werden. Zur fachgerechten und hygienischen Aufbewahrung der Medikamente, Impfstoffe und Spezialnahrung wurden auf der Säuglings- und Entbindungsstation 5 zusätzliche Kühlschränke finanziert.

Das ganze Dadaab-Team bedankt sich ganz herzlich für diese schnelle und umfassende Hilfe der vielen Einzelspender. Die mit den Spenden beschafften Gegenstände und Nahrungsergänzungen sind eine absolut wichtige Ergänzung und Unterstützung für die Arbeit des Teams inmitten so vieler Engpässe für ihre tägliche Arbeit und den großen Herausforderungen, vor denen sie stehen!

© Africachild e.V.
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