
Die Situation der Frauen
Besonders Frauen und Kinder sind aufgrund der gesellschaftlichen, traditionellen und kulturellen Gegebenheiten eine besonders benachteiligte und darum gefährdete Gruppe.
Sie versorgen und erziehen die Kinder, sie verrichten die niedrigen Arbeiten im Haus und auf den Feldern. Sie arbeiten in den Städten auf Baustellen und bei der Kanalisation. Unverheiratete, geschiedene oder getrennt lebende Frauen werden von der äthiopischen Gesellschaft nur selten akzeptiert, sie stehen außerhalb der Gesellschaft, das grenzt sie aus und erschwert die Möglichkeit beruflichen und sozialen Anschluss zu finden.
Die Tradition des Brautraubes ist eine Gefahr für junge Mädchen. Männer, die das Geld für den Brautpreis nicht aufbringen können, entführen oft ein Mädchen und vergewaltigen es. Theoretisch wird eine solche Tat mit bis zu 10 Jahren Haft geahndet. Wenn aber der Täter das Mädchen (mit dessen Zustimmung) heiratet, geht er straffrei aus. Dabei spielt dann das gesetzliche Heiratsalter, welches von 15 auf 18 Jahre erhöht wurde, keine Rolle mehr. Von einer Zustimmung des Mädchens kann der junge Mann ausgehen, da die Familie der jungen Frau sonst ihr Gesicht verlieren würde und ihre Tochter nicht mehr mit einem anderen Mann verheiraten könnte. Die Ausbildungssituation ist für Mädchen besonders prekär. Wenn Familien zu arm sind, um Schulgebühr und Schuluniform finanzieren zu können, sind es meist die Mädchen, die zu Hause bleiben müssen.
Hinderungsgründe des Schulbesuchs sind neben der Armut aber auch die weiten Wege, die von den Kindern zurückgelegt werden müssen. Ein Vergleich von Deutschland mit Äthiopien zeigt: 99% aller deutschen Frauen können lesen und schreiben, dagegen sind zwei Drittel aller äthiopischen Frauen Analphabetinnen. Die Regierung versucht mittlerweile, auch für Frauen den Zugang zur Pacht von Boden und Land zu ermöglichen, dies wird aber bislang auf lokaler Ebene unterbunden. Somit haben Frauen auf dem Land nur selten die Möglichkeit, sich selbst ein Einkommen zu sichern.